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Mädness und Döll - Ich und mein Bruder

Jeder sagt Bruder heutzutage – nur Mädness und Döll können gar nicht anders. Gemeinsame Ideale, gemeinsame DNA und Rap-Skills, die dich Blut und Wasser schwitzen lassen. »Ich und mein Bruder« ist, mit jahrelanger Erfahrung im Rücken, ein entschlossener Schritt nach vorne: die erste gemeinsame Veröffentlichung von Mädness & Döll. Aber wen wundert’s? Schon in den ersten Zeilen des Albums spricht Döll von »etwas, das wir unumgänglich teilen«, und hat damit in mehr Dimensionen recht, als er vielleicht meint. Die Brüder teilen mehr als Verwandtschaft: In ihrer mittlerweile aufgelösten WG durchlebten sie eine Phase der Unsicherheit, die im krassen Gegensatz zur enthusiastischen Rezeption ihrer 2014 erschienenen Solo-EPs stand. Was die Motivation zurückbringt, ist die andere Bedeutung des unumgänglichen Teilens: Mädness und Döll öffnen sich, sie teilen sich mit, teilen ihre Erfahrungen. Ihr Verständnis von Rap als Medium ist genau das: diese Dinge müssen raus. Der Titeltrack lässt erahnen, was dieses Album – mit Beats u.a. von Torky Tork, Yassin, Dexter, Fid Mella, Gibmafuffi – auch hätte werden können: eine Sammlung unangreifbarer, partykompatibler Rap-Hymnen. Aber nur bis zum folgenden, bestimmten Kurswechsel. In Zeiten, in denen »Alles gut?« zur Floskel verkommen ist, kommt eine ehrliche Antwort darauf unerwartet: Nein, es ist bei weitem nicht alles gut. Dieses Nein ist ein Vertrauensbeweis und rückt Perspektiven gerade. »Ich und mein Bruder« ist auf Albumlänge so eine Antwort, die man erst verdauen muss, bevor man versteht, wie wichtig sie ist: gleichermaßen Befreiungsschlag in die Magengrube wie herzliche Umarmung, aber nie unverbindliches Schulterklopfen. »Ich und mein Bruder« ist weder eine Annäherung an Trends noch der Rückzug in die Boom-Bap-Defensive. Es ist die persönliche Standortbestimmung von zwei der komplettesten MCs, die deutscher Rap je hören durfte und die unterschiedlicher kaum sein könnten.

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